Operationsverfahren

Fundoplicatio nach Toupet und Nissen

Die Fundoplicatio stellt das Ventil zwischen Speiseröhre und Magen wieder her. Ich erkläre die Techniken, ihre Unterschiede und warum ich meist die 270°-Manschette nach Toupet wähle.

Fundoplicatio mit dem da-Vinci-Operationssystem in einem Wiener Privatspital

Die Fundoplicatio ist das Kernstück der Reflux-Operation. Dabei wird aus dem oberen Teil des Magens – dem Fundus – eine Manschette geformt und um das untere Ende der Speiseröhre gelegt. Sie wirkt wie ein Ventil: Speisen gelangen weiterhin in den Magen, der Rückfluss von Mageninhalt wird aber verhindert.

Wie die Manschette wirkt

Der Übergang von Speiseröhre und Magen wird normalerweise durch das Zusammenspiel von unterem Schließmuskel, Zwerchfell und dem spitzen Winkel zwischen Speiseröhre und Magen dicht gehalten. Bei der Refluxkrankheit ist diese Barriere geschwächt, häufig gemeinsam mit einem Zwerchfellbruch.

Die Operation stellt die Barriere wieder her: Zuerst wird die Lücke im Zwerchfell verengt (Hiatoplastik), dann die Manschette angelegt. Sie erhöht den Druck am Mageneingang, verlängert den Abschnitt der Speiseröhre im Bauchraum und stellt den Winkel zum Magen wieder her.

Toupet-Fundoplicatio (270°) – mein Standard

Bei der Technik nach Toupet umschließt die Manschette die Speiseröhre von hinten zu etwa drei Vierteln (270°); die Vorderseite bleibt frei. Das Ventil ist damit etwas „nachgiebiger“: Luft kann leichter entweichen, Schlucken fällt nach der Operation meist leichter.

Randomisierte Studien und deren Zusammenfassungen zeigen, dass die Toupet-Technik den Reflux vergleichbar gut kontrolliert wie die Nissen-Technik, aber seltener zu anhaltenden Schluckbeschwerden und Blähungen führt. Eine internationale Leitlinie mehrerer Fachgesellschaften empfiehlt deshalb die teilweise Manschette bevorzugt. Ich verwende die Toupet-Technik als Standard.

Nissen-Fundoplicatio (360°)

Bei der Technik nach Nissen umschließt die Manschette die Speiseröhre vollständig. Sie ist die älteste und am längsten untersuchte Form der Antirefluxoperation. Sie verhindert Reflux sehr zuverlässig, führt aber häufiger zu Schluckbeschwerden, Blähungen („Gas-Bloat“) und der Unfähigkeit aufzustoßen oder zu erbrechen.

Ich setze sie nur in ausgewählten Situationen ein, die wir vorab besprechen.

Toupet (270°)Nissen (360°)
Umschlingungteilweise, von hintenvollständig
Refluxkontrollegut, vergleichbargut
Schluckbeschwerden nach der OPseltenerhäufiger
Blähungen, Aufstoßen nicht möglichseltenerhäufiger
Bei mirStandardAusnahme

LINX und RefluxStop: warum ich sie nicht anbiete

Neben der Fundoplicatio gibt es zwei Verfahren mit Implantat, nach denen ich häufig gefragt werde. Ich biete beide bewusst nicht an.

LINX (Magnetring)

Ein Ring aus kleinen Magnetkugeln wird um das untere Ende der Speiseröhre gelegt. Er kontrolliert den Reflux gut, Aufstoßen und Erbrechen bleiben meist möglich. In einer Übersichtsarbeit mit über 4.600 Patientinnen und Patienten hatten jedoch 18 % Schluckbeschwerden, 13 % brauchten eine Aufdehnung der Speiseröhre, bei 4 % musste der Ring wieder entfernt werden. Bei 1 % wanderte er in die Wand der Speiseröhre ein (Erosion) – mit zunehmender Liegedauer häufiger. Ein dauerhaftes Implantat rund um die Speiseröhre ist bei einer gutartigen Erkrankung für mich nur gerechtfertigt, wenn es einer gut gemachten Manschette klar überlegen ist. Das ist nicht belegt. Zudem hat der Hersteller im September 2025 angekündigt, den Magnetring außerhalb der USA vom Markt zu nehmen; in Europa ist er damit nicht mehr erhältlich.

RefluxStop

Ein kleines Implantat wird außen am Magen befestigt und hält den Mageneingang in seiner richtigen Lage; die Speiseröhre wird dabei nicht umschlossen. Das Prinzip ist interessant und die ersten Ergebnisse sind gut: In einer Studie mit 50 Patientinnen und Patienten sank die Säurebelastung der Speiseröhre bis fünf Jahre nach der Operation deutlich, Schluckbeschwerden waren selten. In einer europäischen Auswertung von 602 Operierten kam es nach durchschnittlich zwei Jahren bei 2 % zu schwerwiegenden Komplikationen oder einer erneuten Operation. Es gibt aber bisher keine randomisierte Vergleichsstudie mit der Fundoplicatio, und systematische Langzeitdaten über mehr als fünf Jahre fehlen.

Mein Fazit: Die Toupet-Fundoplicatio ist in randomisierten Studien über viele Jahre untersucht, kontrolliert den Reflux zuverlässig und kommt ohne Fremdkörper aus. Solange nicht gezeigt ist, dass LINX oder RefluxStop besser abschneiden, bleibe ich bei der besser untersuchten Methode. Wenn Sie sich für eines dieser Verfahren interessieren, bespreche ich gerne offen mit Ihnen, was dafür und was dagegen spricht.

Hiatoplastik: Verschluss der Zwerchfelllücke

Bei fast allen Refluxoperationen ist die Durchtrittsstelle der Speiseröhre durch das Zwerchfell (Hiatus) erweitert. Ich verenge sie mit Nähten hinter der Speiseröhre. Bei sehr großen Zwerchfellbrüchen kann ich die Naht zusätzlich mit einem Netz verstärken. Ob ein Netz langfristig Rückfälle verhindert, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt – deshalb setze ich es gezielt und nicht routinemäßig ein (mehr zum Zwerchfellbruch).

Laparoskopisch oder robotisch?

Die Fundoplicatio wird heute praktisch immer minimalinvasiv durchgeführt. Ich operiere laparoskopisch oder mit dem da-Vinci-Operationsroboter, für den ich zertifiziert bin. Der Roboter bietet eine dreidimensionale, vergrößerte Sicht und sehr bewegliche Instrumente – hilfreich besonders bei großen Brüchen oder Voroperationen. Für die Standardoperation sind die Ergebnisse beider Zugänge vergleichbar. Jedoch ist der technische und zeitliche Aufwand bei der robotischen Chirurgie bedeutend größer, ohne dass Patienten einen Benefit hätten.

Was vor der Fundoplicatio geklärt sein muss

Eine Manschette darf nur angelegt werden, wenn die Speiseröhre den Speisebrei ausreichend kräftig weitertransportiert. Deshalb gehört zur Vorbereitung neben dem Nachweis des Refluxes für mich immer die Videokinematographie (Schluckröntgen) und eventuell auch die Manometrie, die die Beweglichkeit der Speiseröhre misst (mehr zur Diagnostik).

Priv. Doz. Dr. Emanuel Sporn

Medizinischer Inhalt von Priv. Doz. Dr. Emanuel Sporn
Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie, ehemaliger Associate Professor an der Universitätsklinik für Chirurgie Wien. Mehr über mich
Zuletzt fachlich geprüft:

Quellen und weiterführende Literatur
  1. Slater BJ et al. Multi-society consensus conference and guideline on the treatment of gastroesophageal reflux disease (GERD). Surg Endosc 2023
  2. A meta-analysis of long follow-up outcomes of laparoscopic Nissen (total) versus Toupet (270°) fundoplication for gastro-esophageal reflux disease based on randomized controlled trials in adults. BMC Gastroenterol 2016
  3. Lee Y et al. Long-term outcomes following Dor, Toupet, and Nissen fundoplication: a network meta-analysis of randomized controlled trials. Surg Endosc 2023;37:5052–5064
  4. Valinoti AC et al. Magnetic sphincter augmentation device for gastroesophageal reflux disease: effective, but postoperative dysphagia and risk of erosion should not be underestimated. A systematic review and meta-analysis. Arq Bras Cir Dig 2024;36:e1781
  5. Harsányi L et al. Five-year clinical outcomes of RefluxStop surgery in the treatment of acid reflux: a prospective multicenter trial of safety and effectiveness. Surg Endosc 2025
  6. Schoppmann SF et al. Safety outcomes in 602 GERD patients treated by RefluxStop: a multi-center real-world study from 22 centers across six European countries. Sci Rep 2026;16:18071
  7. MedTech Dive: J&J exits Linx esophageal reflux business in some countries, 23.09.2025
  8. S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis (DGVS, AWMF-Register 021-013), 2023
  9. Kohn GP et al. Guidelines for the management of hiatal hernia (SAGES). Surg Endosc 2013;27:4409–4428

Diese Seite dient der Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung und Beratung.

FAQ

Häufige Fragen

Kann ich nach einer Fundoplicatio noch aufstoßen und erbrechen?

Nach der Toupet-Technik meist ja, wenn auch oft weniger leicht als vorher. Nach der Nissen-Technik ist das häufiger eingeschränkt.

Kann sich die Manschette lösen?

Selten kann sich die Manschette lockern, verrutschen oder durch das Zwerchfell nach oben gleiten. Wenn dadurch wieder Beschwerden entstehen, ist manchmal eine erneute Operation nötig.

Kann eine Fundoplicatio rückgängig gemacht werden?

Ja, in seltenen Fällen mit anhaltenden Beschwerden kann eine Manschette operativ gelöst oder umgewandelt werden – etwa von Nissen auf Toupet.

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