Hiatushernie

Zwerchfellbruch (Hiatushernie): Beschwerden und Operation

Ein Zwerchfellbruch ist häufig und oft harmlos – kann aber Reflux verursachen und bei großen Brüchen ernste Folgen haben. Hier erfahren Sie, wann eine Operation sinnvoll ist.

Dr. Sporn erklärt an einem anatomischen Modell die Lage von Zwerchfell, Speiseröhre und Magen

Ein Zwerchfellbruch – medizinisch Hiatushernie – entsteht, wenn sich ein Teil des Magens durch die Durchtrittsstelle der Speiseröhre im Zwerchfell (Hiatus) in den Brustkorb verlagert. Er ist häufig, nimmt mit dem Alter zu und verursacht oft keine Beschwerden. Er kann aber Reflux begünstigen und in seltenen Fällen ernste Probleme verursachen.

Formen des Zwerchfellbruchs

FormWas passiertBedeutung
Axiale Hiatushernie (Gleithernie, Typ I)Der Mageneingang gleitet nach oben in den Brustkorb.Häufigste Form; oft ohne Beschwerden, begünstigt aber Reflux.
Paraösophageale Hernie (Typ II)Der Mageneingang bleibt an Ort und Stelle, ein Teil des Magens schiebt sich daneben in den Brustkorb.Selten; kann Druck, Schmerzen und Engegefühl verursachen.
Gemischte Hernie (Typ III)Kombination aus beiden.Häufig bei großen Brüchen.
Upside-down-Magen und Typ IVGroße Teile des Magens oder weitere Organe liegen im Brustkorb.Kann sich verdrehen oder einklemmen; meist Operationsindikation.

Beschwerden

Kleine axiale Brüche fallen oft nur durch Refluxbeschwerden auf: Sodbrennen und saures Aufstoßen. Größere Brüche können zusätzlich verursachen:

  • Druck- oder Völlegefühl hinter dem Brustbein, besonders nach dem Essen,
  • Schluckbeschwerden oder das Gefühl, dass Speisen „stecken bleiben“,
  • Kurzatmigkeit nach Mahlzeiten,
  • Blutarmut durch kleine Schleimhautverletzungen am eingeklemmten Magenanteil.

Notfall: Plötzliche starke Schmerzen in Brust oder Oberbauch, Würgen ohne Erbrechen-Können oder anhaltendes Erbrechen können auf eine Einklemmung oder Verdrehung des Magens hinweisen. Wählen Sie in diesem Fall sofort den Notruf 144.

Wie wird ein Zwerchfellbruch festgestellt?

Ein Zwerchfellbruch wird meist bei einer Magenspiegelung entdeckt. Größe und Lage lassen sich am besten im Schluckröntgen (Videokinematographie) beurteilen, manchmal ergänzt durch eine Computertomographie. Vor einer Operation kommen je nach Situation Manometrie und pH-Metrie dazu (mehr zur Diagnostik).

Wann sollte ein Zwerchfellbruch operiert werden?

  • Axialer Bruch mit Reflux: Hier steht die Refluxkrankheit im Vordergrund. Eine Operation ist sinnvoll, wenn die Voraussetzungen für eine Reflux-Operation erfüllt sind.
  • Paraösophagealer Bruch mit Beschwerden: Leitlinien empfehlen in der Regel die Operation.
  • Großer Bruch ohne Beschwerden: Bei älteren Menschen ohne Beschwerden kann – nach sorgfältiger Abwägung – auch abgewartet werden. Das Risiko einer Einklemmung ist gering, aber nicht null; die Entscheidung treffen wir gemeinsam.
  • Notfall bei Einklemmung oder Verdrehung: rasche Operation.

Wie ich einen Zwerchfellbruch operiere

Die Operation erfolgt minimalinvasiv – laparoskopisch oder robotisch mit dem da-Vinci-System. Ich verlagere den Magen in den Bauchraum zurück, entferne den Bruchsack und verenge die Zwerchfelllücke mit Nähten (Hiatoplastik). Um Reflux zu verhindern und den Magen zu fixieren, lege ich in aller Regel zusätzlich eine Manschette nach Toupet an.

Netz: Nur bei sehr großen Brüchen verstärke ich den Verschluss mit einem Netz. Netze können kurzfristig Rückfälle verringern; ob das auch langfristig gilt, ist nicht eindeutig belegt, und sie bergen eigene, seltene Risiken. Deshalb entscheide ich darüber im Einzelfall.

Kann ein Zwerchfellbruch wiederkommen?

Ja. Besonders nach Reparatur großer Brüche zeigt sich bei Kontrolluntersuchungen nicht selten wieder ein kleiner Bruch. Viele dieser Rückfälle verursachen keine Beschwerden und müssen nicht behandelt werden. Bei Beschwerden ist eine erneute Operation möglich.

Zwerchfellbruch und andere Hernien

Der Zwerchfellbruch zählt zu den Hernien. Informationen zu Leisten-, Nabel- und Narbenbruch finden Sie auf meiner Website hernien-spezialist.at.

Priv. Doz. Dr. Emanuel Sporn

Medizinischer Inhalt von Priv. Doz. Dr. Emanuel Sporn
Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie, ehemaliger Associate Professor an der Universitätsklinik für Chirurgie Wien. Mehr über mich
Zuletzt fachlich geprüft:

Quellen und weiterführende Literatur
  1. Kohn GP et al. Guidelines for the management of hiatal hernia (SAGES). Surg Endosc 2013;27:4409–4428
  2. S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis (DGVS, AWMF-Register 021-013), 2023
  3. Slater BJ et al. Multi-society consensus conference and guideline on the treatment of gastroesophageal reflux disease (GERD). Surg Endosc 2023

Diese Seite dient der Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung und Beratung.

FAQ

Häufige Fragen

Ist ein Zwerchfellbruch gefährlich?

Kleine axiale Brüche sind meist harmlos, können aber Reflux verursachen. Große paraösophageale Brüche können sich selten einklemmen oder verdrehen – das ist ein Notfall. Deshalb sollte ein großer Bruch fachärztlich beurteilt werden.

Muss jeder Zwerchfellbruch operiert werden?

Nein. Ein kleiner Bruch ohne Beschwerden muss nicht operiert werden. Die Entscheidung hängt von Art, Größe und Beschwerden ab.

Kann ein Zwerchfellbruch von selbst heilen?

Nein. Ein Zwerchfellbruch bildet sich nicht von selbst zurück. Die Beschwerden lassen sich aber oft mit Medikamenten und Lebensstilmaßnahmen lindern.

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