Antirefluxchirurgie

Reflux-Operation: wann sie sinnvoll ist und wie sie abläuft

Die Operation kann Reflux dauerhaft beheben – wenn die Diagnose gesichert ist und sie zu Ihren Beschwerden passt. Hier finden Sie Indikation, Ablauf, Risiken und Langzeitergebnisse.

Minimalinvasive laparoskopische Operation in einem Wiener Privatspital

Eine Antirefluxoperation behandelt die Ursache des Rückflusses: Sie stellt den Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen wieder her. Ob sie für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihren Beschwerden, den Untersuchungsergebnissen und Ihren persönlichen Zielen ab. Auf dieser Seite erkläre ich, wann ich zu einer Operation rate, wie sie abläuft und was Sie realistisch erwarten können.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Die Grundlage jeder Empfehlung ist eine gesicherte Diagnose. Typische Beschwerden allein reichen nicht aus – ähnliche Symptome können auch andere Ursachen haben. Deshalb muss der Reflux vor einer Operation objektiv nachgewiesen sein, etwa durch eine deutliche Entzündung der Speiseröhre in der Magenspiegelung oder durch eine pH-Messung (mehr zur Diagnostik).

Ist die Diagnose gesichert, kommt eine Operation vor allem in Frage, wenn

  • Beschwerden trotz korrekt eingenommener Medikamente bestehen bleiben – besonders das Aufstoßen von Flüssigkeit oder Speisebrei (Regurgitation), auf das Säurehemmer kaum wirken,
  • Sie gut auf Säurehemmer ansprechen, diese aber nicht vertragen oder nicht dauerhaft einnehmen möchten,
  • ein größerer Zwerchfellbruch vorliegt, der selbst Beschwerden verursacht (mehr zum Zwerchfellbruch),
  • Komplikationen auftreten, etwa eine wiederkehrende schwere Entzündung der Speiseröhre.

Die besten Ergebnisse sind zu erwarten, wenn typische Beschwerden (Sodbrennen, saures Aufstoßen) vorliegen, der Reflux objektiv nachgewiesen ist und Säurehemmer zumindest teilweise helfen.

Grenzen der Operation

Eine Operation ist nicht für jede Form von Beschwerden die richtige Wahl. Zurückhaltend bin ich, wenn

  • kein krankhafter Reflux nachweisbar ist – etwa bei einer übersensiblen Speiseröhre (funktionelles Sodbrennen),
  • ausschließlich untypische Beschwerden wie Husten, Räuspern oder Heiserkeit bestehen,
  • eine Störung der Speiseröhrenbeweglichkeit vorliegt, die eine Manschette nicht verträgt (zum Beispiel eine Achalasie),
  • Säurehemmer überhaupt keine Besserung bringen – dann muss die Ursache der Beschwerden besonders genau geklärt werden.

Auch das Körpergewicht spielt eine Rolle: Bei starkem Übergewicht steigt das Risiko, dass die Reparatur nicht dauerhaft hält. In solchen Fällen können andere Verfahren sinnvoller sein; ich bespreche das offen mit Ihnen.

Operation oder Medikamente?

Protonenpumpenhemmer (PPI) sind sehr wirksam gegen Sodbrennen und eine Entzündung der Speiseröhre. Sie verringern jedoch nur die Säure – Mageninhalt fließt weiterhin zurück. Die Operation behebt den Rückfluss mechanisch.

In einer großen europäischen Vergleichsstudie (LOTUS) waren nach fünf Jahren sowohl unter Medikamenten als auch nach laparoskopischer Operation die meisten Teilnehmenden beschwerdearm. Nach der Operation trat das Aufstoßen von Mageninhalt seltener auf; dafür waren Schluckbeschwerden, Blähungen und vermehrte Winde häufiger. Beide Wege sind also gute Optionen – welcher besser zu Ihnen passt, hängt von Ihren Beschwerden und Prioritäten ab.

Zur Langzeiteinnahme von Säurehemmern: In Beobachtungsstudien wurden zahlreiche Nebenwirkungen beschrieben. Ein ursächlicher Zusammenhang ist für die meisten nicht belegt. Wer PPI aus gutem Grund braucht, sollte sie nicht aus Sorge absetzen, sondern die niedrigste wirksame Dosis mit der Ärztin oder dem Arzt festlegen.

So läuft die Operation ab

Die Antirefluxoperation erfolgt in Vollnarkose und minimalinvasiv: Über fünf kleine Schnitte im Oberbauch werden eine Kamera und feine Instrumente eingeführt – laparoskopisch oder robotisch mit dem da-Vinci-System. Welcher Zugang für Sie günstiger ist, entscheide ich individuell; für die Standardoperation sind die Ergebnisse beider Zugänge in Studien vergleichbar.

  1. Darstellen des Übergangs von Speiseröhre und Magen und Zurückverlagern eines Zwerchfellbruchs in den Bauchraum.
  2. Hiatoplastik: Die erweiterte Lücke im Zwerchfell wird mit Nähten verengt. Nur bei sehr großen Brüchen verstärke ich die Naht zusätzlich mit einem Netz.
  3. Fundoplicatio: Aus dem oberen Magenanteil (Fundus) wird eine Manschette um die untere Speiseröhre gelegt. Als Standard verwende ich die teilweise Manschette nach Toupet (270°), die vollständige nach Nissen (360°) nur in ausgewählten Fällen (mehr zur Fundoplicatio).

Die Operation dauert in der Regel etwa eine Stunde. Die meisten Patientinnen und Patienten verlassen das Spital am Tag nach der Operation.

Risiken und mögliche Nebenwirkungen

Die laparoskopische Antirefluxoperation ist ein etablierter Eingriff mit niedrigem Komplikationsrisiko. Trotzdem kann – wie bei jeder Operation – etwas Unerwartetes eintreten. Dazu gehören allgemeine Risiken wie Nachblutung, Infektion oder Thrombose sowie eingriffsspezifische:

  • Verletzung von Speiseröhre, Magen, Milz oder Nerven, die meist sofort versorgt werden kann,
  • Eintritt von Luft in den Brustkorb (Pneumothorax), der sich in der Regel von selbst zurückbildet,
  • selten der Wechsel auf einen offenen Bauchschnitt.

Häufiger als echte Komplikationen sind Nebenwirkungen der neuen Ventilfunktion:

  • Schluckbeschwerden in den ersten Wochen – sie sind normal und bilden sich meist innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten zurück. Anhaltende Schluckbeschwerden sind selten und lassen sich häufig durch eine Aufdehnung im Rahmen einer Magenspiegelung behandeln.
  • Blähungen und Völlegefühl, weil Luft schwerer aufgestoßen werden kann.
  • Eingeschränkte Fähigkeit zu Aufstoßen oder Erbrechen – nach der Toupet-Technik seltener als nach Nissen.

Ihr persönliches Risiko hängt von Vorerkrankungen, Voroperationen und der Größe eines Zwerchfellbruchs ab. Ich bespreche es mit Ihnen ausführlich im Aufklärungsgespräch.

Langzeitergebnisse und Rezidive

Bei sorgfältiger Auswahl der Patientinnen und Patienten kontrolliert die Operation den Reflux bei der großen Mehrheit über viele Jahre. Sie ist aber keine Garantie für lebenslange Beschwerdefreiheit: Bei einem Teil der Operierten kehren Refluxbeschwerden im Lauf der Jahre zurück, manche brauchen wieder Medikamente. Auch ein Zwerchfellbruch kann erneut auftreten – vor allem nach Reparatur sehr großer Brüche. Nicht jedes erneute Auftreten verursacht Beschwerden oder muss behandelt werden.

Wichtig: Wer vor der Operation eine Barrett-Schleimhaut hatte, braucht auch danach regelmäßige Kontrollen durch Magenspiegelung.

Andere Verfahren

Neben der Fundoplicatio gibt es weitere Verfahren, etwa einen magnetischen Ring um den Mageneingang oder endoskopische Techniken. Sie sind für ausgewählte Situationen geeignet und unterscheiden sich in Voraussetzungen und Datenlage. Bei starkem Übergewicht kann eine Magenbypass-Operation die bessere Antirefluxoperation sein. Warum ich den Magnetring (LINX) und RefluxStop nicht anbiete, erkläre ich auf der Seite zur Fundoplicatio. Ob eine Alternative für Sie in Frage kommt, bespreche ich gerne mit Ihnen.

Spitalsaufenthalt und Kosten

Ich operiere ausschließlich in Wiener Privatspitälern: in der Wiener Privatklinik, der Privatklinik Confraternität – Goldenes Kreuz, im Evangelischen Krankenhaus Wien und im Rudolfinerhaus. Mit privater Zusatzversicherung wird meist direkt mit der Versicherung verrechnet. Ohne Zusatzversicherung hängen die Kosten von Sozialversicherung, Spital und Umfang der Operation ab – ich gebe Ihnen gerne telefonisch Auskunft.

Priv. Doz. Dr. Emanuel Sporn

Medizinischer Inhalt von Priv. Doz. Dr. Emanuel Sporn
Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie, ehemaliger Associate Professor an der Universitätsklinik für Chirurgie Wien. Mehr über mich
Zuletzt fachlich geprüft:

Quellen und weiterführende Literatur
  1. S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis (DGVS, AWMF-Register 021-013), 2023
  2. Slater BJ et al. Multi-society consensus conference and guideline on the treatment of gastroesophageal reflux disease (GERD). Surg Endosc 2023
  3. Katz PO et al. ACG Clinical Guideline for the Diagnosis and Management of Gastroesophageal Reflux Disease. Am J Gastroenterol 2022;117:27–56
  4. Galmiche JP et al. Laparoscopic antireflux surgery vs esomeprazole treatment for chronic GERD: the LOTUS randomized clinical trial. JAMA 2011;305:1969–1977
  5. Targownik LE et al. AGA Clinical Practice Update on De-Prescribing of Proton Pump Inhibitors. Gastroenterology 2022;162:1334–1342

Diese Seite dient der Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung und Beratung.

FAQ

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Reflux-Operation?

In der Regel etwa eine Stunde. Bei großen Zwerchfellbrüchen oder nach Voroperationen kann es länger dauern.

Wie lange bin ich im Spital?

Die meisten Patientinnen und Patienten verlassen das Spital am Tag nach der Operation.

Bleiben Narben zurück?

Es bleiben mehrere kleine Narben von etwa 0,5 bis 1,5 cm Länge im Oberbauch, die meist unauffällig verheilen.

Wann kann ich wieder arbeiten?

Bei Büroarbeit oft nach ein bis zwei Wochen. Bei körperlich schwerer Arbeit länger, weil Sie etwa zwei Monate nicht schwer heben sollten. Wir besprechen das individuell.

Brauche ich nach der Operation noch Medikamente gegen Reflux?

Die meisten Operierten benötigen keine Säurehemmer mehr. Manche brauchen im Lauf der Jahre wieder gelegentlich oder dauerhaft Medikamente – auch das ist ein mögliches Ergebnis, über das ich Sie vorher aufkläre.

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